Vorläufig keine neuen Lehrlinge mehr bei Winfo Data als Konsequenz der Abschiebepolitik gegenüber Flüchtlingen in Ausbildung

Jungen Menschen eine Perspektive geben. Sie motivieren und befähigen ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen, ein glücklicher Mensch und ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu werden. Der Wirtschaft gute Fachkräfte zur Verfügung stellen und den Erfolg sichern. Das alles soll und kann auch durch Lehre in einem guten Unternehmen gefördert oder gar ermöglicht werden. Zahlreiche Branchen (nicht nur in sogenannten Mangelberufen) suchen händeringend nach Lehrlingen.

 

Viele junge Menschen kamen vor zwei bis drei Jahren nach Österreich, weil sie in ihren Heimatländern zum Kriegsdienst eingezogen werden sollten, weil sie bedroht, Teile ihrer Familie verfolgt oder gar ermordet wurden. Diese jungen Menschen sind vielfach traumatisiert und das Bündel an Traurigkeiten, das sie mit sich herumschleppen und mit dem sie fertig werden müssen, können wir nicht im Entferntesten erahnen. Trotzdem haben diese Jugendlichen hier in Österreich an ihrer neuen Zukunft gearbeitet. Sie haben Deutsch gelernt, bringen sich in Vereinen ein und haben – so schwer es auch war - ein Stück Heimat und Freunde gefunden. Und viele von ihnen haben motiviert eine Lehre begonnen. Unternehmer, die sich darauf einließen, berichten praktisch ausnahmslos, dass ihre Schützlinge unglaublich freundlich, respektvoll und engagiert sind und die Ausbildung mit Hochdruck absolvieren. Viele berichten, dass die Jungs sogar wesentlich leistungsbereiter sind als unsere einheimische Spaßjugend.

Was macht die Politik?

Anstatt diese Ausbildung in Schule und Beruf zu fördern, stößt sie Unternehmen vor den Kopf, die solchen Jugendlichen eine ernsthafte Chance geben. Die Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in die Ausbildung ihrer Fachkräfte und von einem Tag auf den anderen soll all diese Mühe vergeblich sein, weil ein negativer Asylbescheid ausgestellt wird, den ohnehin kein Mensch nachvollziehen kann. Mögen die Entscheider und Politiker, die das zu verantworten haben, nach Afghanistan oder Syrien reisen, wenn es ihnen dort so schön und sicher erscheint. Einem Lehrling im zweiten Lehrjahr, der das erste Lehrjahr mit „gutem Erfolg“ abgeschlossen hat, für seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommt und in Vereinen aktiv ist, im Ablehnungsbescheid „mangelnde Integrationsbereitschaft“ zu unterstellen, hat für mich das Fass endgültig zum Überlaufen gebracht.

Aus Solidarität mit diesen tollen jungen Menschen, aber auch mit den Unternehmen, die quasi umsonst in diese jungen Menschen investieren, habe ich daher beschlossen, keine weitere Lehrlingsausbildung mehr in unserem Unternehmen anzubieten. Und zwar solange der Missstand nicht behoben ist, dass Menschen, die sich in schulischer und beruflicher Ausbildung befinden, abgeschoben werden. Und dieser Schritt fällt mir wahrlich nicht leicht, weil wir in den letzten Jahren insgesamt 10 Lehrlinge in IT-Berufen ausgebildet haben, wovon sechs mit „sehr gutem Erfolg“ abgeschlossen haben. Derzeit befindet sich noch ein Lehrling in Ausbildung und wir hatten für das kommende Jahr auch neue Lehrstellen geplant.

Es wäre schön, wenn sich auch andere Unternehmer solidarisieren und damit den Druck auf die Politiker erhöhen, diese zutiefst unmenschliche Praxis einzustellen, die Österreich nicht würdig ist.

Günter Winterstätter (GF)